Fachkräftemangel: Wie steht es um Arbeitssicherheitsberufe?

Junge Frau arbeitet an einer Maschine.
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In manchen Berufsbereichen und Regionen herrscht Fachkräftemangel. Qualifizierte mit abgeschlossener Berufsausbildung sind auf dem Arbeitsmarkt teils schwer zu finden. Neben Pflegeberufen sind Handwerk und technische Berufe betroffen. Der Fachkräftemangel bleibt nicht ohne Bedeutung für den Arbeits- und Gesundheitsschutz.

Die Arbeitsmarktsituation hierzulande könnte aktuell kaum besser sein. Die Zahl der Erwerbstätigen verzeichnet einen kontinuierlichen Anstieg. Im Jahr 2016 kam Deutschland auf 43,6 Millionen Erwerbstätige. Im Vergleich zum Jahr 2011 sind dies zwei Millionen mehr. Es sind seitdem deutlich mehr Menschen sozialversicherungspflichtig angestellt. Die Arbeitslosigkeit sank im gleichen Zeitraum um zehn Prozent. Zudem verbesserte sich ebenso die Integration von Langzeitarbeitslosen. Das besagt der »Fortschrittsbericht 2017 zum Fachkräftekonzept der Bundesregierung« des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS). Doch der demografische Wandel sei zunehmend spürbar. Im Vergleich zu vor 20 Jahren gibt es wesentlich mehr ältere Menschen. Gleichzeitig kommen weniger junge Erwerbstätige nach. Bisher habe sich der Geburtenrückgang nicht negativ auf das Arbeitskräfteangebot ausgewirkt. Der Grund dafür sei, dass immer mehr Frauen und ältere Menschen einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Ein flächendeckender Fachkräftemangel liege nicht vor, dennoch gebe es Branchen und Regionen, in denen sich die Mitarbeitersuche schwierig gestaltet. Genannt werden Gesundheits- und Pflegeberufe sowie technische Berufe, in denen akademische und nichtakademische Fachkräfte fehlen.

Kein flächendeckender Fachkräfteengpass im Bereich Arbeitssicherheit

Speziell mit dem Fachkräftebedarf im Bereich Arbeitssicherheit hat sich die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) näher befasst. In einem Forschungsprojekt beschäftigte sich die BAuA damit, ob aktuell und zukünftig ausreichend Fachkräfte zur Verfügung stehen. Untersucht wurde ebenso, inwiefern die sicherheitstechnische Betreuung quantitativ und qualitativ den Anforderungen unserer sich verändernden Arbeitswelt gerecht wird. Man ging somit der Frage nach: Gibt es ausreichend Fachkräfte für Arbeitssicherheit – auch in der Zukunft? Die Ergebnisse fasst die BAuA in dem Bericht »Bedarf an Fachkräften für Arbeitssicherheit in Deutschland« zusammen. Es zeigt sich: Die aktuell verfügbaren Fachkräfte für Arbeitssicherheit decken den derzeitigen Bedarf. Ein bundesweiter Engpass sei nicht zu erkennen. Davon gehen die Herausgeber auch in Zukunft nicht aus, da Bedarfsveränderungen kaum zu erwarten seien.

Allerdings stellt der Wandel der Arbeitswelt – sei es hinsichtlich Automatisierung und Digitalisierung – neue Herausforderungen an Beschäftigte, auch an Fachkräfte der Bereiche Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit. So zeigt der BAuA-Bericht, dass insbesondere Fachkräfte für Arbeitssicherheit (Fasi) zur Erfüllung ihrer Aufgaben immer mehr Kompetenzen benötigen. Bisher waren diese meist fachlicher Natur. Doch der Wandel der Arbeitswelt erfordert zunehmend Kooperations- und Beratungskompetenzen sowie kontinuierliche Lern- und Fortbildungsbereitschaft.

Arbeits- und Gesundheitsschutz als Maßnahme gegen Fachkräftemangel

In Zeiten des Fachkräftemangels kommt dem Arbeits- und Gesundheitsschutz eine besondere Bedeutung zu. Allerdings vernachlässigt der deutsche Mittelstand Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit, wie eine TÜV-Rheinland-Risikostudie zeigt. Demnach unterschätzen Unternehmer die vorhandenen Risikofaktoren und verschenken wirtschaftliches Potenzial. Dabei stellen sich in Anbetracht der älterwerdenden Bevölkerung und Belegschaften Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und -erhaltung von Beschäftigten als Erfolgsfaktor für Betriebe dar. Krankheitsbedingtes oder vorzeitiges Ausscheiden aus dem Unternehmen kann zu Kompetenzverlust und steigenden Personalkosten führen. Mit attraktiven Maßnahmen der Gesundheitsförderung und für die Zufriedenheit lassen sich Beschäftigte an den Betrieb binden. Dem Fachkräftemangel kann so entgegengewirkt werden.

Quelle/Text: BMAS, BAuA, TÜV Rheinland; Redaktion arbeitssicherheit.de (SL)

Stand: Januar 2018

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